Lehrveranstaltungen WiSe 2019/20

Christoph Markschies

  • Blockseminar 60311: Bereshit Raba, ausgewählte Texte, mit Prof. Dr. Peter Schäfer

    Der Midrash Bereshit Raba ist aus mehreren Gründen außerordentlich interessant: Es handelt sich um einen jüdischen Text, der viele Elemente eines klassischen hellenistischen Kommentars zu einem magistralen Text aufnimmt, in diesem Fall zum ersten Buch der Bibel, zur Genesis. Gleichzeitig lassen sich in dem Text viele Spuren einer Debatte zwischen jüdischen und christlichen Auslegern dieses biblischen Buches finden, aber auch Auseinandersetzungen mit philosophischer, nicht nur platonischer Kosmologie. Die Sprache ist überwiegend Hebräisch, aber stark durchsetzt mit griechischen und lateinischen Lehnwörtern. Es existieren sowohl eine kritische Ausgabe des Textes (Ch. Albeck/J. Theodor, 1912-1929, diverse Nachdrucke) als auch gute Übersetzungen (H. Freedman, 1939, 31961). Wir werden uns auf die Passagen über Gott, Schöpfung und Gottesebenbildlichkeit konzentrieren: BerR 1:1-9; 2:4; 8:1-5.8-10. Das Seminar findet im Block am 11.01.20 und 01.02.20 statt. Es wird um Anmeldung per Mail an barbara.frey @remove-this.theologie.hu-berlin.de gebeten.
  • UE 60319: Die antike christliche Psalmenkommentierung, mit Dr. Cordula Bandt und Dr. Annette von Stockhausen, Do 14:00-15:30, BBAW, UL 8, 07W04

    Seit Semestern liest eine muntere Schar von Interessierten Texte der antiken christlichen Psalmenkommentierung, die in Berlin aus Handschriften ediert werden. Die Psalmen waren für Liturgie und Alltagsleben antiker Christenmenschen von zentraler Bedeutung; die Kommentare wurden nach zeitgenössischen wissenschaftlichen Maßstäben angelegt, verraten aber auch viel über christliche Frömmigkeit. Gelesen werden vor allem Texte des Origenes und Eusebius, im Wintersemester auch wieder die im April 2012 entdeckten Psalmenhomilien des Origenes, deren editio priceps von Lorenzo Perrone 2015 in der Reihe „Die Griechischen Christlichen Schriftsteller“ erschienen ist. Die virtuosen Auslegungen des Origenes nehmen in diesen Texten oftmals überraschende Wendungen, zudem ist einiges über die Situation der christlichen und jüdischen Gemeinschaften im Palästina des 3. Jahrhunderts zu erfahren.
  • OS 60323: Neuere Forschungen zur Geschichte des Antiken Christentums

    Gegenwärtig verändert sich das Bild vom Antiken Christentum sehr stark, insbesondere die theologiegeschichtliche Landkarte des 2. Jhdts wird weitgehend neu gezeichnet. Gleiches gilt für die Christentumsgeschichte des 3. Jahrhunderts. Der Einfluss neuerer Paradigmen aus Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaften verändert das monolithische Bild der klassischen Lehrbücher. Wir diskutieren – immer wieder auch mit auswärtigen Gästen – neuere Forschungsbeiträge, selbstverständlich auch solche aus dem Kreis der Teilnehmenden. Fortgeschrittene Studierende sind sehr herzlich eingeladen.


Martin George

  • VL 60300: Christentumsgeschichte I: Antike, Mo u. Do 10:00-12:00, Burgstraße 26, Raum 117

    Geschichte der Alten Kirche ist Geschichte der einen, ökumenischen Kirche des Altertums in ihrem Leben und in ihrer Lehre, die sich gegenseitig bedingen. Deshalb wird diese Geschichte in ökumenischer Sicht und ohne Trennung in Kirchen- und Dogmengeschichte dargestellt. Die Vorlesung gibt einen Überblick über die Entwicklung der Kirche in den ersten fünf Jahrhunderten. Sie beschäftigt sich mit den antiken Voraussetzungen, mit der Ausbreitung der Kirche, mit ihrer Struktur und mit ihrer Lehrentwicklung in Abgrenzung von christlichen Häresien, Heidentum und Judentum sowie mit den Lebensformen der Christen in Familie und Gesellschaft. Sie endet mit einer vertieften Betrachtung der Formulierung des trinitarischen und christologischen Dogmas.
  • SE 60310: Johannes Chrysostomos - der begeisternde Prediger, Mo 16:00-18:00, Burgstraße 26, Raum 306

    Johannes hat das umfangreichste Werk aller griechischen Kirchenväter hinterlassen. Er war vor allem ein Massen begeisternder, hochgelobter und in der Kirche von Applaus unterbrochener Prediger. Vom Priester und Bischof Johannes Chrysostomos sind unzählige mitstenographierte und von ihm dann redigierte Predigten über große Teile der Heiligen Schrift erhalten, die in ganz verschiedenen Lebensbezügen entstanden, dazu thematische Predigten zu sozialen und ethischen Fragen und Homilien zu den meisten liturgischen Festen. Das zweifache Ziel fast jeder Predigt des Johannes, Glaubenslehre und Aufforderung zum Handeln, wird an verschiedenen Beispielen untersucht. In seinen Predigten zeigt sich Johannes als großer Rhetoriker, als Exeget, Seelsorger, Mahner und Reformer der Gesellschaft. Seine Auslegung und Anwendung biblischer Worte auf seine Zeit wirkt auf uns heute ungewohnt und anregend. Die Beschäftigung mit seinen Predigten erweitert den heutigen Horizont der Auslegungsmöglichkeiten und kann fruchtbar sein für das eigene Predigen.

  • UE 60315: Lektüreübung zu Johannes Chrysostomos, Mo 18:00-19:00, Burgstraße 26, Raum 306

    In der Übung werden einige seiner bekanntesten Predigten in der deutschen Übersetzung gelesen und in Ausschnitten aus dem Griechischen übersetzt, dazu selbstverständlich auch die den Predigten zugrunde gelegten Abschnitte aus der griechischen Bibel.


Sarah-Magdalena Kingreen

  • PS 60307: Anthropologie im frühen Christentum, Mi 14:00-16:00, Burgstraße 26, Raum 406

    Die Frage nach sich selbst gehört zu den ältesten Fragen des Menschen. Im Proseminar werden wir uns anthropologische Vorstellungen und Antworten, die in der Zeit der Entstehung und Konsolidierung des Christentums in der Spätantike gegeben wurden, erschließen und gemeinsam diskutieren. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der Deutung des alexandrinischen Theologen Origenes liegen. Zudem soll das Proseminar dazu dienen, Methoden des kirchengeschichtlichen Arbeitens zu erlernen und anzuwenden.


Dietmar Wyrwa

  • SE 60312: Prophyrius, Contra Christianos, Mo 16:00-18:00, Burgstraße 26, Raum 330

    Wir wissen von einigen Kampfschriften des 2.-4. Jh.s, die von dezidiert philosophischer Warte aus das Christentum zu widerlegen suchten, weil man in ihm eine die pagane Kultur und Gesellschaftsordnung gefährdende Bedrohung sah und die Abwehrfront dagegen zu mobilisieren suchte. Diese Werke sind alle nicht überliefert, und selbst die christlichen Gegenschriften sind oftmals untergegangen oder nur bruchstückhaft erhalten. Eine der frühesten Streitschriften ist die des Mittelplatonikers Celsus um 160/180, die erst von Origenes ca. 80 Jahre später zurückgewiesen wurde. Wir wollen uns mit den antichristlichen Angriffen des Neuplatonikers Porphyrius beschäftigen, der nach intensiven Studien um 270/272 erneut das Christentum widerlegen will und dabei besonders Origenes im Blick zu haben scheint. Die Fragmente sind jüngst erneut gesammelt, übersetzt und kommentiert worden, so dass wir uns an diese Edition halten können. Über die nähere Vorgehensweise im Seminar wollen wir uns in der konstituierenden Sitzung verständigen.


Philipp Pilhofer

  • UE 60313: Bayerisches Gemeindeleben in den Tropen: Quellen zu den Anfängen der Mission auf Neu-Guinea, Do 12.00-14.00, Burgstraße 26, Raum 117

    Als in den 1880er Jahren Neu-Guinea unter den europäischen Mächten aufgeteilt wurde, dauerte es nicht lange, bis die ersten Missionare kamen. In dem Teil der Insel, den die Deutschen ab der Annektion 1886 beanspruchten, traf als erster Missionar Johann Flierl ein. Er stellte sich vor, ein bayerisches Gemeindeleben, wie er es aus seiner Heimat kannte, in den Tropen zu etablieren. In dieser Übung soll untersucht werden, wie Flierl und andere Missionar*innen auf der Insel vorgingen, was sie vorfanden, wie sie aufgenommen wurden und was dies für die indigene Bevölkerung bedeutete und bis heute bedeutet. Als Grundlage dienen in Ermangelung einheimischer Quellen vor allem die Erinnerungen Johann Flierls, aber auch die Tagebücher der Johanna Diehl.


Mirjam Wulff

  • UE 60314: Gottesgebärerin und Jungfrau, Himmelskönigin und Symbol der Befreiung - Maria in der Theologiegeschichte, Mi 16:00-18:00, Burgstraße 26, Raum 406

    Maria, die Mutter Jesu, ist aus der Geschichte des Christentums nicht wegzudenken. Nicht nur in der Frömmigkeit, sondern auch in großen theologischen Debatten von der Antike bis in die Moderne spielte die Auseinandersetzung mit dieser Figur eine zentrale Rolle. Päpste wie Bettelmönche verehrten sie wie eine Göttin. Diese Verehrung bot andererseits immer wieder Anstoß zu scharfer Kritik. Dabei diente Maria auch immer als Projektionsfläche und Trägerin ganz verschiedener Bilder von Weiblichkeit. In dieser Übung wollen wir gemeinsam an beispielhaften lateinischen Texten aus der Kirchengeschichte diesen verschiedenen Facetten Marias auf den Grund gehen.


Nicole Hartmann

  • UE 60320: Religiöse Abgrenzungen im antiken Juden- und Christentum, Mo 16:00-18:00, Burgstraße 26, Raum 113

Sarah-Magdalena KingreenMartin George