Allgemeine Informationen

Der Lehrstuhl für Ältere Kirchengeschichte beschäftigt sich in Forschung und Lehre vor allem mit dem antiken Christentum von seinen Anfängen bis zum Abschluss der Völkerwanderung, also vom ersten bis zum siebenten nachchristlichen Jahrhundert im Gebiet des römischen Reiches und seinen Nachbarländern. Gegenstand von Lehre und Forschung ist das antike Christentum in seiner Gesamtheit, dessen Historiographie in traditioneller Terminologie des Faches auch „ältere Kirchengeschichte“ heißt und insbesondere die antike theologische Reflexion über das Christentum. Seit der Spätantike heißen diejenigen Theologen, deren Reflexion von der christlichen Mehrheitskirche für maßstabsetzend und orthodox gehalten wurde, „Kirchenväter“ (lateinisch: patres), weswegen ein traditioneller und im angelsächsischen Sprachraum bis heute verwendeter Name des Fachgebietes auch „Patristik“ lautet.

Wie es der Tradition des Berliner Lehrstuhls entspricht, wird an ihm nicht nur in der klassischen ideengeschichtlichen Form dogmen- und theologiegeschichtlicher Forschung gearbeitet, sondern in Aufnahme der Ansätze von August Neander (1789-1850), Adolf von Harnack (1851-1930) und Hans Lietzmann (1875-1942) ein besonderes Schwergewicht auf die Edition von einschlägigen Quellen, die Erforschung von religiösen Mentalitäten und das Verhältnis der paganen zur christlichen Antike gelegt. Der allgemeineren Öffentlichkeit präsentieren sich die Berliner Forschungen zum antiken Christentum einmal jährlich mit der "Hans-Lietzmann-Vorlesung", die gemeinsam mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften veranstaltet wird.

Der Lehrstuhl pflegt auch Traditionen der Berliner Fakultät, die früher in eigenen institutionellen Zusammenhängen beheimatet waren: Das betrifft zum einen die Erforschung der archäologischen Überreste des antiken Christentums, an der in der Tradition Ferdinand Pipers (1811-1889) und seines „Christlichen Museums“ nun gemeinsam mit anderen Partnern an den Universitäten und in den Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Tomas Lehmann arbeitet. Zum anderen wird die Tradition der Beschäftigung mit den Quellen in christlich-orientalischen Sprachen (besonders in Koptisch und Syrisch), die vor allem auf Harnacks Schüler Carl Schmidt (1868-1938) zurückgeht, weiter fortgesetzt. In dieser Tradition steht auch die „Gertrud-und-Alexander-Böhlig“-Stiftung im „Stifterverband für die deutsche Wissenschaft“, die durch den in Berlin u.a. bei Hans Lietzmann ausgebildeten Koptologen Alexander Böhlig (1912-1996) zugleich im Namen seiner Frau, der Byzantinistin Gertrud Böhlig, errichtet wurde. Sie fördert die Forschung auf dem Gebiet der Sprachen und Kulturen des christlichen Orients. Besonders berücksichtigt werden dabei die auch für Böhligs Œuvre charakteristischen Themen „Gnosis“ und „Manichäismus“ sowie der Einfluss der griechischen und jüdischen Kultur auf die östliche Hälfte des Imperium Romanum und dessen Nachfolgestaaten. Die Gertrud-und-Alexander-Stiftung verleiht alle zwei Jahre den „Alexander-Böhlig-Preis“ für hervorragende Promotionen und Habilitationen aus den genannten Fachgebieten und finanziert Vorlesungsreihen, (Promotions-)Stipendien, Druckbeihilfen, Bibliotheksergänzungen und Exkursionen.

Enge fachliche Kontakte bestehen zum Center for the Study of Christianity an der Hebrew University Jerusalem, zu Mitgliedern der Association pour l'étude de la littérature apocryphe chrétienne (Vereinigung für das Studium der christlichen apokryphen Literatur) und Mitgliedern der italienischen Origenes-Forschungsgruppe sowie über das Akademieprojekt „Die alexandrinische und antiochenische Bibelexegese in der Spätantike“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zu anderen Editionsunternehmen antiker christlicher Texte.

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Fachgebieten und Ländern wird die „Zeitschrift für Antikes Christentum“ herausgegeben sowie die „Studien und Texte zu Antike und Christentum“.

Kontakt

Sitz des Lehrstuhls
Burgstraße 26, 10178 Berlin
Tel +49 (0)30/20934735 (Sekretariat)
Fax +49 (0)30/20934736
info @remove-this.antikes-christentum.de

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