Aktuelle Publikationen

Prokop von Gaza: Eclogarum in libros historicos Veteris Testamenti epitome, Teil 1: Der Genesiskommentar

Prokop von Gaza (ca. 465/470-526/530) verfasste einen großen Kommentar zu den meisten Geschichtsbüchern des Alten Testaments (CPG 7430, bisher fälschlich als Catena in Octateuchum oder Catena in Heptateuchum bezeichnet). Hier wird die kritische Edition des ersten Teil, des Genesiskommentars, vorgelegt; sie enthält zum ersten Mal den vollständigen griechischen Text.

Hinter dem fortlaufenden Texts Prokops verbirgt sich eine Sammlung von Exzerpten aus der Bibelexegese der griechischen Kirchenväter, die man zu seiner Zeit für die gültige Auslegung des Alten Testaments hielt. Besonderen Quellenwert haben diejenigen Exzerpte, für die sich in der uns erhaltenen Überlieferung keine Vorlage, oft nicht einmal der Name des Autors, identifizieren lässt; hier verbergen sich Fragmente, die in ihrer vollständigen Fassung verloren gegangen sind, sei es, weil ihre Verfasser auf späteren Konzilien zu Ketzern erklärt wurden, sei es, weil (gerade bei orientalischen Autoren) die vollständigen Handschriften während der arabischen Eroberung verloren gingen. Das Werk ist daher eine wichtige Quelle für alle, die sich mit der Älteren Kirchengeschichte oder die Exegese des Alten Testaments beschäftigen.

Die mit Anmerkungen versehene deutsche Übersetzung der Editorin wird in Kürze in einer neuen Unterreihe der „Griechischen christlichen Schriftsteller“ erscheinen.

Procopius Gazensis, Eclogarum in libros historicos Veteris Testamenti epitome ed. Karin Metzler. Teil 1: Der Genesiskommentar, Berlin/München/Boston: De Gruyter 2015.

Heilige Texte: Religion und Rationalität, 1. Geisteswissenschaftliches Colloquium 10.-13. Dezember 2009 auf Schloss Genshagen. Hg. Andreas Kablitz und Christoph Markschies, Berlin, Boston: De Gruyter, 2013.

Das komplexe Verhältnis von Religion und Rationalität wird hier anhand einer Vielfalt von Heiligen Texten untersucht, einem Medium, das eine Einordnung von Religion in rationale Zusammenhänge nahelegt. Neben Schriften aus Judentum, Christentum und Islam werden Zaubersprüche und Mythen, zeitweise religiös überhöhte Texte wie die des Marxismus, philosophische Texte der Aufklärung und andere Medien wie das moderne Bild religiösen Inhalts behandelt. Statt einer Gegenläufigkeit von Rationalität und Religion wird deutlich, dass Rationalität eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der Religion und ihre internen Differenzierungen spielt. Der Umgang mit Heiligen Texten zeigt den Spannungsreichtum der Thematik in besonderer Weise: Heilige Texte haben immer die Möglichkeit des Rückzugs vor dem rationalen Zugriff mit dem Verweis auf ihre transzendentale Dimension. Zugleich beweist aber die im Heiligen Text manifestierte Religion im Wechselspiel mit diesem Zugriff und im Bestehen mit ihm die Berechtigung ihres Geltungsanspruchs immer wieder von neuem.

Hellenisierung des Christentums

Markschies, Christoph, Hellenisierung des Christentums: Sinn und Unsinn einer historischen Deutungskategorie. Theologische Literaturzeitung. Forum 25. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2012.

»Hellenisierung des Christentums« ist nicht erst bei dem berühmten Berliner Kirchenhistoriker und Wissenschaftsorganisator Adolf von Harnack (1851–1930) eine der schlechterdings zentralen Kategorien, die Formation des antiken Christentums zu beschreiben. Wie beispielsweise die heftig umstrittene Regensburger Rede Papst Benedikt XVI. aus dem Jahre 2006 zeigt, spielt diese Kategorie bis heute eine zentrale Rolle in theologischen wie althistorischen Konzeptionen von Christentum. Meist wird mit dem Begriff eine Transformation des Christentums durch die hellenistisch-römische Kultur im »globalisierten« Imperium Romanum bezeichnet.

Christoph Markschies analysiert die Geschichte des Begriffs und der damit verbundenen, höchst unterschiedlichen Definitionen wie Vorstellungen, informiert über die teilweise vollkommen vergessenen Vorgeschichten (beispielsweise im französischen Renaissancehumanismus) und macht am Ende einen Vorschlag, wie der Begriff heute trotz einer nicht unproblematischen Vorgeschichte noch sinnvoll verwendet werden kann.

Vademekum der Inspirationsmittel

Vademecum der Inspirationsmittel. Hg. Christoph Markschies und Ernst Osterkamp. Göttingen: Wallstein 2012.

Künstler und Wissenschaftler lüften ihr Geheimnis: Sie schreiben über die Quellen ihrer künstlerischen Produktivität.

Die Idee zu diesem Band entstammt einer inspirationslosen Stunde: Wenn einem selbst wenig einfällt, fragt man sich um so neidischer nach den Gründen, weshalb den brillanten Kollegen unentwegt so viel einfällt. Und plötzlich war die Idee da, die Mitglieder der Berliner Akademie der Künste und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften nach den Inspirationsmitteln zu fragen, denen sich ihre wissenschaftliche oder künstlerische Produktivität verdankt. Viele Mitglieder waren bereit, das Geheimnis ihres Inspirationsmittels mit der Öffentlichkeit zu teilen. So bietet der Band in knapp fünfzig kleinen Texten, die sämtlich Selbstportraits ihrer Autoren sind, knapp fünfzig Inspirationsmittel zur gefälligen Nutzung.

Mit Beiträgen u. a. von:
Horst Bredekamp, Gerd Gigerenzer, Inge Keller, Matthias Kleiner, Sibylle Lewitscharoff, Peter von Matt, Julian Nida-Rümelin, Hermann Parzinger, Klaus Staeck, Anton Zeilinger.

Antike christliche Apokryphen in deutscher Übersetzung

Antike christliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 1. Bd. Evangelien und Verwandtes. Hg. Christoph Markschies und Jens Schröter in Verbindung mit Andreas Heiser. 7. Aufl. Tübingen: Mohr Siebeck, 2012.

"Apokryphen" sind Texte, die die Form kanonisch gewordener biblischer Schriften aufweisen oder Geschichten über Figuren kanonisch gewordener biblischer Schriften erzählen oder Worte solcher Figuren überliefern. Sie sind Ausdruck christlicher Frömmigkeit und haben Theologie wie bildende Kunst tief beeinflußt.

Die bekannteste deutsche Sammlung dieses Materials ist die erstmals 1904 veröffentlichte Handausgabe der "Neutestamentlichen Apokryphen", die auf Edgar Hennecke (1865-1951) zurückgeht und dann von Wilhelm Schneemelcher (1914-2003) herausgegeben wurde. Sie erscheint nun in einer komplett neubearbeiteten und um viele Texte ergänzten siebenten Auflage und enthält alle nicht kanonisch gewordene Evangelienliteratur und Verwandtes aus der Antike, auch neue Texte aus der islamischen Überlieferung, das Judasevangelium und das unbekannte Berliner Evangelium. Da sich die Schriften, die sich auf das kanonisch gewordene Neue Testament beziehen, nur schwer aus den christlichen Apokryphen isolieren lassen, wird das Werk jetzt alle christlichen Apokryphen bis zum achten Jahrhundert umfassen. Es trägt daher den Titel "Antike christliche Apokryphen in deutscher Übersetzung" (AcA) und erscheint in drei Bänden.

Mit Beiträgen von:
Hans-Gebhard Bethge, Wolfgang A. Bienert, Johanna Brankaer, Bogdan Burtea, Friedmann Eissler, Hans Förster, Jörg Frey, Wolf-Peter Funk, Peter Gemeinhardt, Judith Hartenstein, Otfried Hofius, Maria Josua, Ursula Ulrike Kaiser, Thomas J. Kraus, Christoph Markschies, Helmut Merkel, C. Detlef G. Müller (+), Peter Nagel, Tobias Nicklas, Silvia Pellegrini, Silke Petersen, Uwe-Karsten Plisch, Stanley E. Porter, Wendy J. Porter, Sigfried G. Richter, Monika Schärtl, Hans-Martin Schenke (+), Jens Schröter, Josef Tropper, Markus Vinzent, Jennifer Wasmuth, Ansgar Wucherpfennig, Gregor Wurst.

Heis Theos

Peterson, Erik, Christoph Markschies und Barbara Nichtweiß, Heis Theos: Epigraphische, formgeschichtliche und religionsgeschichtliche Untersuchungen zur antiken "Ein-Gott"-Akklamation. Ausgewählte Schriften Erik Peterson Bd. 8. Würzburg: Echter, 2012.

Erik Petersons Untersuchungen zur antiken Formel „Ein Gott“ sind seit ihrem Erscheinen 1926 das Standardwerk zum Thema „Akklamation“. Auch für die Monotheismus- Forschung und den Problemkreis einer politischen Theologie ist „Heis Theos“ bis heute von Bedeutung.

86 Jahre nach der Publikation der Dissertations- und Habilitationsschrift Petersons ist dieses über viele Jahrzehnte vergriffene Werk nun wieder in der originalen Fassung verfügbar

Christoph Markschies, Henrik Hildebrandt u.a. ergänzen Petersons Studien mit einem Überblick über die weitere Entwicklung der Heis-Theos-Forschung und mit einem umfassenden aktuellen Nachtrag seither aufgefundener Belege der antiken Formel in Epigraphik, Liturgie und Literatur. Thematisch benachbarte Texteditionen aus dem Nachlass Petersons sowie ein Beitrag von Barbara Nichtweiß zur Entstehungsgeschichte und Bedeutung von „Heis Theos“ runden den Band ab.

„Erik Peterson besaß einen außergewöhnlich scharfen Geist und eine Gelehrsamkeit, die staunen ließ. Einige seiner bemerkenswertesten Arbeiten betreffen rituelle Formen und Zauberpraktiken. Sie bilden das Hauptthema in seinem ersten Buch ‚Heis Theos‘.“ (Henry Chadwick 1961)

Erik Peterson (1890–1960) lehrte zwischen 1924 und 1929 als Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Bonn die Fächer Kirchengeschichte und Neutestamentliche Exegese. 1930 konvertierte er zur katholischen Kirche und lebte seit 1933 in Rom. Ab 1937 lehrte er dort am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie und wurde 1947 mit einem Extraordinariat für Patristik sowie das Verhältnis von Antike und Christentum betraut.

Atlas der Weltbilder

Atlas der Weltbilder. Hg. Christoph Markschies, Ingeborg Reichle, Jochen Brüning und Peter Deuflhard unter Mitarbeit von Steffen Siegel und Achim Spelten. Forschungsberichte Interdisziplinäre Arbeitsgruppen, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Bd. 25. Berlin: Akademie-Verlag, 2011. (2. Auflage ebd. 2012).

Praktiken visueller Welterzeugung in Form von Weltbildern lassen sich bereits in der Antike beobachten und haben sich bis heute als Mittel zur Konstruktion von Ordnungsvorstellungen bewährt. Seit jeher steht der begrifflichen Ordnung der Welt eine modellhaft anschauliche Ordnung gegenüber. Die grundlegende Rolle, die Anschaulichkeit für unser Verständnis von der Welt spielt und die die vielfältigsten Weltbilder hervorgebracht hat, ist jedoch mehr als eine bloße Wiederholung des Sehens. Die Bildwelten der Weltbilder geben uns nicht nur ein anschauliches Bild von der Welt und vom Kosmos. Sie sind zugleich wirkungsmächtige Instrumente zum praktischen und theoretischen Handeln in der Welt und formen auf unterschiedlichste Weise unsere Vorstellungen von der Welt und unsere Weltanschauung. Die grundlegenden Fragen, die dabei gestellt werden, haben sich durch die Jahrhunderte nicht wirklich geändert. Sie betreffen die den Menschen umfassende Ordnung und seine Stellung innerhalb dieser Ordnung: Welche Gestalt hat die Welt? Welche Kräfte und Ideen wirken in ihr? Woraus besteht sie? Wie ist sie entstanden? Wie sieht ihre Zukunft aus? Bereits die frühen Beispiele von Weltbildern machen deutlich, dass die sowohl in Bildern als auch in Erzählungen zur Erscheinung gebrachte Wirklichkeit immer eine vom Menschen hervorgebrachte ist und daher stets interpretierte Wirklichkeit und symbolische Konstruktion bedeutet. Die gesammelten Beispiele repräsentieren zugleich unterschiedliche visuelle Medien, die im Dienst der Konstruktion der Welt als Bild stehen. Damit ist die Geschichte der Weltbilder nicht nur eine Geschichte wechselnder Weltvorstellungen, sondern zugleich auch eine Geschichte wechselnder Darstellungsmethoden und unterschiedlicher Trägermedien. Der Atlas der Weltbilder behandelt ein breites Spektrum von Artefakten und schreitet einen großen zeitlichen Bogen ab, der mit altorientalischen und altägyptischen Weltkonzeptionen beginnt und mit aktuellen Simulationen der Astrophysik endet. Der Atlas der Weltbilder dokumentiert somit Aspekte der Kulturgeschichte visueller Welterzeugung in Form von Weltbildern aus den zurückliegenden zweieinhalb Jahrtausenden. Paradigmatische Analysen der Prinzipien und Funktionen sowie der Geschichte und Bedeutung von Weltbildern geben erstmals umfassenden Aufschluss über dieses umfangreiche Themengebiet.

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