Almut Bockisch

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

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Sonderforschungsbereich 980 "Episteme in Bewegung"
Teilprojekt C01 "Transfer apokalyptischen Wissens im antiken Christentum"
Hausvogteiplatz 5-7, 10117 Berlin, Raum 330
+49-(0)30/2093-66426

bockisal @theologie.hu-berlin.de
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Seit 2018 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt "Transfer apokalyptischen Wissens im antiken Christentum" des Sonderforschungsbereichs 980 "Episteme in Bewegung" (www.sfb-episteme.de)
2015-2018 Studium der Evangelischen Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin
2014-2015 Studium in Israel an der Hebrew University of Jerusalem
2010-2014 Studium der Evangelischen Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin
2003-2010 Droste-Hülshoff-Gymnasium
   

Promotionsprojekt

Exegetischer Wissenstransfer zwischen der Hohelied-Auslegung des Origenes und dem rabbinischen Midrasch Shir HaShirim Rabba

Das Buch Hohelied wirkt innerhalb des biblischen Kanons durch die plastische Sprache seiner Liebeslieder erklärungsbedürftig, wenn nicht problematisch. Dennoch wurde sowohl im entstehenden Judentum als auch im sich formierenden Christentum betont an seiner Kanonizität festgehalten bzw. diese niemals infrage gestellt (so beispielsweise: Origenes, Cant. prol. 4,3-4 und mYad 3,5). Erste Hinweise auf Kommentierungen des Hohelieds ergeben sich auf jüdischer Seite aus den Angaben in tSan 12,10 bzw. bSan 101a. Ein erster vollständiger Kommentar mit deutlichem Bezug auf pagan-antike Kommentartechniken wird allerdings erst im 6. Jh. n.Chr. mit dem rabbinischen Midrasch Shir HaShirim Rabba vorgelegt. Der einflussreichste christliche Hohelied-Kommentar der Antike ist deutlich älter; er stammt von Origenes (CPG I, 1431; vgl. die Homilien CPG 1432 und das mutmaßliche Fragment 1434), der die typologische Deutung des Hippolyt von Rom (Hippolyt, Cant. 25,6 [CSCO 263. 264; CPG I, 1871 mit griechischer Paraphrase]) übernahm und christologisch zuspitzte (Origenes, Cant. comm. I 1,5).

Vor dem Hintergrund der Methodologie des SFB ist daher wenig überraschend, dass (weil die exegetischen Wissensoikonomien zwischen den antiken religiösen Gemeinschaften durch reziproke Transferbewegungen charakterisiert sind), sowohl ähnliche als auch gleiche (z.B. MShir 1.7.2; Origenes, Cant. comm. I 1,5) Auslegungen neben betont unterschiedlichen stehen. Sie lassen sich im Horizont des SFB als Negation begreifen; ein schönes Beispiel dafür ist das bewusste Ignorieren genuin christlicher Deutungen des Hohelieds im Midrasch Shir HaShirim Rabba. Die einzelnen exegetischen Wissensmomente, die zur Abfassung bzw. Kompilation der Hohelied-Interpretationen führten, sollen in einer kommentarzentrierten Analyse wie auch einer motivorientierten Untersuchung innerhalb ihrer jeweiligen Kontexte und zugleich in ihrem exegetischen Transfer im Korpus der Hohelied-Kommentierungen als Verhandlung des Bibeltextes analysiert werden und so zugleich auch Aufschluss über die vielfältigen Gesprächsimpulse und Konstellationen des Austauschs zwischen jüdischen und christlichen Gruppen in der Antike liefern.

 

Vorträge

„Die Kommentierung des Kommentars (דרשת המדרש). Shir HaShirim Rabba und seine handschriftliche Überlieferung“, Tagung Wissen in Buchgestalt, 30.09.-2.10.2019.

„Rapport sur l’avancement des volumes des ‚Antike christliche Apokryphen in deutscher Übersetzung‘“, Réunion annuelle 2019 de l’Association pour l'Étude de la Littérature Apocryphe Chrétienne, 1.-3.07.2019.

„Voraussetzungen apophatischer Theologie bei Philo von Alexandrien und Origenes von Alexandrien/Caesarea“, SFB-Jahrestagung Nichtwissen – Dynamiken der Negation in vormodernen Kulturen, 27.-29.06.2019.

“The Song of Songs – ‘Jewish’ and ‘Christian’ Appropriations”, Roundtable Discussion: When is a ‘Jewish’ (apocryphical) text considered to be a ‘Christian’ text?, 17.-18.05.2019.